Imagination in der Verhaltenstherapie

In der Imagination in der ambulanten Verhaltenstherapie versetze ich mich in eine schwierige Situation in meinem Leben zurück, meistens in meine Kindheit. Ich stelle mir den Ort vor, an dem ich damals war (fast immer mein Elternhaus), die Personen, die beteiligt waren (meistens meine Mutter), was meine Mutter gesagt hat und wie ich mich dabei gefühlt habe.

Zwischendurch fragt meine Therapeutin immer wieder nach, wie ich ich jetzt gerade fühle
und wo ich diese Gefühle im Körper spüre. Meistens wird mein Hals enger, manchmal auch
der Brustraum. Über meine Kindheit rede ich nicht gerne rede und ich bin froh, dass ich schon so lange erwachsen bin. Und jetzt muss ich in Gedanken wieder ein kleines Kind werden und geistig noch einmal erleben, was mich zu dem Menschen gemacht hat, der neun Wochen in einer psychosamatischen Tagklinik war und nun eine ambulante Verhaltenstherapie braucht.

Aber ich sehe vieles klarer. Aus der Sicht der Erwachsenen. Und auch aus der Sicht meiner Therapeutin, die mir klar macht, dass ich nicht alles falsch gemacht habe mein ganzes Leben lang, auch nicht in der Kindheit.

In der Imagination ist ein Happy End möglich

Manchmal darf ich meine Geschichte in der Imagination auch umschreiben.
Oder meine Therapeutin kommt mit ins Spiel und nimmt mich in Schutz.
Manchmal holt sie mich sogar aus der Situation raus. Für immer.
Ich kann ein neues Leben beginnen, mit einer guten Freundin, die für mich sorgt.
Was für eine herrliche Vorstellung !

Natürlich funkt da immer wieder die Erwachsene dazwischen. Aber die hat jetzt erst mal Sendepause. Das Kind in mir darf sich vorstellen, wie das alles hätte besser werden können damals. Und plötzlich wird alles leichter. Die Enge im Hals geht weg, die Stimmung wird
besser, fast heiter.

Dieses Gefühl soll ich fest halten und dann langsam wieder ins Hier und Jetzt zurück kehren:
In die Welt der Erwachsenen in der ambulanten Verhaltenstherapie, in der mir eine erwachsene Frau gegenüber sitzt, die meine Probleme versteht.

Schade, dass es diese Frau in meiner Kindheit nicht gegeben hat… Aber es gibt sie heute.

Auch eine ambulante Therapie ist nicht einfach. Aber sie hilft mir weiter.

 

 

 


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