Nicht mehr in der richtigen IT

Am ersten Arbeitstag in der dritten Wiedereingliederungs-Woche steht mitten in meinem
Büro ein großer Karton mit meinem Namen drauf. Ich vermute richtig, dass da die beiden Aktenordner drin sind, die ich noch für mein Projekt brauche, an dem ich vor fünf Jahren
schon gearbeitet habe und das nun drei Jahre auf Eis gelegen ist.
Also brauche ich nicht mehr zurück in mein altes Büro. Mein alter Chef muss mir nicht den Aktenschrank aufsperren, zu dem nur er einen Schlüssel hat, seitdem ich raus bin.
Sicher besser für alle Beteiligten. Schließlich will er mich nicht mehr sehen. Ich ihn auch nicht…

In der Schachtel liegen auch noch meine ergonomische Tastatur und einige Broschüren zur ergonomischen Gestaltung eines Bildschirmarbeitsplatzes, die ich in meinem Schreibtisch
liegen lassen habe. Ich hatte es etwas eilig mit dem Ausräumen, weil ich die zwei Kollegen,
die die ganze Zeit auf mich aufgepasst haben, nicht zu lange von der Arbeit aufhalten wollte.

Die Broschüren nehme ich als Anlass, meinen Arbeitsplatz etwas Benutzer-freundlicher zu gestalten. Als erstes muss der Schreibtisch ein wenig höher gestellt werden, damit die Hände
gerade auf der Tastatur aufliegen und nicht abknicken. Ich habe sowieso ständig Nackenschmerzen. Häufige Folge einer falschen Sitzhaltung. Steht in der Broschüre.
Bei mir ist es auch eine Folge von Stress. Das steht natürlich nicht drin.
Stress hat ja nichts mit Ergonomie zu tun …
Aber an der Ergonomie kann man schneller was ändern. Vorausgesetzt, man weiß,
wie man den Schreibtisch höher kriegt. Ich weiß es nicht. Also bitte ich zu meinen viel beschäftigten Kollegen um Hilfe, der genau genommen mein neuer direkter Chef ist.

Vorerst im EDV-Team – Danach sehen wir weiter

Während wir noch die richtige Höhe ausmessen, kommt die Leiterin der Rechenstelle rein,
die fast meine neue Chefin geworden wäre, wenn ich im Personalgespräch nicht so vehement
auf einer Stelle bestanden hätte, die meiner Qualifikation und auch meiner gewohnten Gehaltsgruppe entspricht. Davon weiß die Kollegin vermutlich gar nichts und berichtet
ganz unbekümmert, dass sie am Tag zuvor eine ambulante Darmspiegelung hatte.
Dafür sieht sie heute echt erstaunlich gut aus ! Ich war da immer stationär.
Zweimal wegen Darmentzündungen. Beim dritten Mal wussten sie nicht so genau,
was ich habe und haben halt alles durchgecheckt. Dass damals der Verdacht auf einen
Tumor bestand, sage ich nicht. Ich sage auch nicht, dass die Diagnose beidseitige
Lungenembolie am Geburtstag meines neuen Vorgesetzten gestellt wurde und ich
am Geburtstag unseres gemeinsamen Chefs ins Krankenhaus gekommen bin.
Vielleicht sage ich meinem Kollegen/Chef an seinem nächsten Geburtstag, dass wir an
beide unseren Geburtstag feiern könnten: Er seinen richtigen und ich meinen zweiten…
Wenn ich dann noch in seinem Team bin…
Auf die Frage meiner Beinah-Chefin, ob ich jetzt im „Team Christian“ bin (Name geändert)
und auch bleiben soll, erwidert mein Momentan-Chef: „Vorerst schon. Danach sehen wir weiter…“
Unsere Kollegin freut sich, dass ich jetzt da bin und wünscht mir noch einen guten Einstand.

Download scheitert – Ich bin nicht mehr in der „richtigen“ IT

Wenig später hat mein Schreibtisch die richtige Höhe. Dienstbeflissen wie mein neuer Chef ist, steckt er auch gleich meine Ergonomische Tastatur an und nimmt die andere mit.
Nun muss ich nur noch den passende Tastatur-Treiber installieren und dann kann ich mich
endlich in die Arbeit stürzen. Nur bin ich nicht mehr in der „richtigen“ IT und deshalb habe
ich auch keine Befugnis mehr, Treiber oder sonstige Programme aus dem Internet zu laden.
Der Download scheitert. Habe ich fast vermutet. Aber einen Versuch war’s wert.
Schließlich habe ich vor ein paar Jahren noch genau diesen Treiber für eine Kollegin heruntergeladen und installiert…
Aber ich komme auch mit der „normalen“ Tastatur klar.
Schließlich schreibe ich jetzt nicht mehr so viel…
Den letzten Satz schreibe ich natürlich nicht in die Mail an die IT-Kollegen, in der ich mich
für das Paket bedanke und noch höflich nachfrage, ob ich vielleicht auch mein Stehpult wieder haben könnte. Das ist extra für mich beschafft worden und es hätte auch noch Platz in meinem neuen Büro.

Für die zwei Ordner muss ich erst Platz in einem der vielen Aktenschränke schaffen, die sich
auf beiden Seiten über die gesamte Länge meines Büros erstrecken. Und das ist ziemlich lang.
Wie gesagt: Ich sitze in der Altakten-Registratur, weil sonst nichts frei ist.

Weiter…

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