Nicht von Null auf Hundert

Auf dem Weg zur Stempeluhr treffe ich eine Personalrats-Kollegin, die sich natürlich sofort nach meinem werten Befinden erkundigt. Sie findet zwar, dass es sich gar nicht lohnt, für zwei Stunden in die Arbeit zu gehen, meint dann aber, dass ich es erst mal ruhig angehen lassen soll. Nicht gleich von Null auf Hundert.
Das hatte ich auch schon: In meinem ersten Vollzeitjob nach einer Herzbeutelentzündung
(Folge einer Scharlach-Infektion im Urlaub). Aber da war ich „nur“ drei Monate weg und
nicht ein Dreivierteljahr. Mein damaliger Chef hat meinen damaligen Projektleiter ein
wenig eingebremst, dass der mich nicht gleich wieder zu sehr stressen sollte.

Von Null auf 150

Von so viel Fürsorge war mein ehemaliger Chef (mittlerweile in Rente) weit weg.
An meinem ersten Arbeitstag nach 18 Tagen im Krankenhaus und weiteren sechs Wochen
im Krankenstand wegen einer beidseitigen Lungenembolie hat er zugelassen, dass alle Kollegen
zur Besichtigung unseres neuen Dienstgebäudes mitkommen, das wir ein Jahr später bezogen haben. Alle außer mir.
Irgendwer musste sich noch um die zentrale Hotline für unsere 200 Anwender kümmern.
Scheinbar hatten mein alter Chef und meine alten Kollegen vollstes Vertrauen in mich.
Schließlich war ich ja wieder gesund. Da würde ich das schon alleine schaffen.
Natürlich hat an diesem Tag alle fünf Minuten das Telefon geklingelt…
So bin ich am ersten Tag gleich von Null auf 150 …
Ich habe es trotzdem geschafft. Und es mich…
Hätte man mir damals eine Wiedereingliederung angeboten – die mir auch damals zugestanden wäre – wäre ich um 10 Uhr schon längst weg gewesen. Dann hätte halt einer meiner Kollegen
da bleiben müssen. Das wäre eh besser gewesen, weil ich ja keinen Zugriff aufs Netzwerk hatte
und deshalb bei vielen technischen Problemen grundsätzlich an meine männlichen Kollegen verweisen musste.

Diese Details erspare ich meiner Personalratskollegin. Sie hat vermutlich schon genug über
die Causa „zwangsweise Umsetzung wegen Dokumentationszwangs am Arbeitsplatz“ gehört.
Bei so was muss der Personalrat nämlich grundsätzlich zustimmen.
Und meine Kollegin hat sicher auch zugestimmt, dass ich nach diesem Vorfall nicht mehr
an den Personalratssitzungen teilnehmen soll. Aber das lässt sie sich bei unserem Gespräch natürlich nicht anmerken.
Sie verhält sich absolut professionell und wünscht mir nachträglich noch einen guten Start.
Danke, den hatte ich !

Weiter zum nächsten Arbeitstag…

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