Rein ins Projekt

An meinem ersten Arbeitstag in der zweiten Woche regnet es in Strömen.
Aber wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung.
Bei diesem Sauwetter kommt aber auch die richtige Kleidung an ihre Grenzen und man sieht
mir deutlich an, dass ich mit dem Fahrrad da bin – wie üblich. Ich fahre nicht gerne Auto und
den Bus warten ist mir auch zu blöd – obwohl ich grundsätzlich keine Probleme mit öffentlichen Verkehrsmitteln habe und sie auch gerne benutze.
Eine Kollegin, die offensichtlich vom Parkplatz kommt, findet es richtig tapfer, dass ich bei
diesem Wetter mit dem Rad gefahren bin. Aber wie gesagt: Alles eine Frage des richtigen Outfits.
Ich checke trotzdem erst mal meine Frisur (gut, dass kurze Haare schnell trocknen !)
und ziehe die nasse Regenhose aus, bevor ich in mein Büro gehe.

Waren meine Befürchtungen unbegründet ?

Schließlich will ich nicht aussehen wie eine getaufte Maus, wenn ich beim Geschäftsleiter vorbei schaue. Der war in der Woche zuvor nicht da und könnte evtl. wissen, warum ich wirklich in seine Abteilung versetzt worden bin: Nicht wegen einer Überlastungsreaktion, sondern wegen meines Dokumentationszwangs. Zumindest hat das meine Personalratskollegin vermutet.
Falls er wirklich was weiß, nimmt er es ziemlich gelassen.
Mein neuer Chef ist gerade im Büro gegenüber, ich  höre ihn reden.
Also lasse ich meine Tür auf und stehe sofort auf, als ich ihn vorbei gehen sehe.
Mein neuer Boss kommt auch sofort rein und begrüßt mich freundlich.
Scheinbar waren meine Befürchtungen, dass die mich hier nicht haben wollen, unbegründet.
Aber ich konnte nicht ahnen, dass für mich eine ganz neue Stelle geschaffen wird und ich
dadurch endlich ein Projekt fertig machen kann, das schon seit zwei Jahren auf Eis liegt.

Erste Fehlermeldungen

Der Kollege, mit dem ich die weitere Vorgehensweise besprechen soll, bespricht gerade
etwas mit unserem anderen Kollegen, der auch noch nicht lange im Team ist.
Also mache ich mich eben selbst ans Werk und starte die „neue“ Vorlage mit Stand August 2014. Und kriege prompt eine Fehlermeldung. Da kann irgendwas nicht gefunden werden.
Ich stelle schnell fest, dass das nicht an meiner Programmierung liegt, sondern am ini-File,
mit dem die Daten übergeben werden. Da steht statt einem gültigen Vorlagen-Pfad irgendwas
mit C:\Temp drin. Also schreibe ich den richtigen Pfad rein.
Und schon kann’s los gehen !
Hmh: Das Programm ist gar nicht da ! Zumindest nicht auf dem Desktop.
In der Liste beim Start-Button steht es auch nicht drin.
Also suche und finde ich es eben im Windows-Explorer.
(Keine Sorge ! Ich höre gleich auf mit dem Fach-Chinesisch !!!)

Nächster Versuch mit meiner Programmierung von 2011-2014:
Nächste Fehlermeldung: Scheinbar fehlt eine Textmarke, an der die Daten eingefügt
werden sollen, die ich gerade ausgewählt habe. Kein Wunder: Die Vorlage ist leer.

Mein Kollege bringt mich im Schnelldurchgang auf den neuesten Stand

Im nächsten Moment kommt der Kollege von gegenüber rein und bringt mich auf den
neuesten Stand: Die aktuellen Vorlagen sind unter …\aktuell (wie gehabt).
Die „neuen“ Vorlagen sind mittlerweile so veraltet, dass sie die in einen neuen Unterordner verschoben haben und in dem Ordner, in dem sie eigentlich hin gehören, nur leere Vorlagen angelegt haben – allerdings mit einem neuen – also sprechenden – Dateinamen, weil der ab
sofort in der Auswahlmaske für die Sachbearbeiter angezeigt wird. Die müssen ja erkennen,
was sie da anklicken müssen.
Mein Kollege ist ein wenig hyperaktiv und auch immer total im Stress und ich bin auch nur
noch eine Viertelstunde da und deshalb muss er mir das jetzt alles ganz schnell erklären,
weil er dann erst am Freitag wieder da ist und ich ja langsam loslegen will.

Ich notiere auf einem Block, was ich als erstes machen soll:
Checken, welche Vorlagen schon da sind, ob noch welche fehlen und ob welche noch
einenfalschen Namen haben und und und …
Also auf gut Deutsch: Ich soll eine Bestandsaufnahme machen und dafür sorgen,
dass alle Vorlagen im richtigen Ordner sind und richtig heißen.

Programmierung zurückstellen, bis ich wieder länger da bin

Erst dann soll ich mit dem Anpassen anfangen: Von den Vorlagen und meiner Programmierung. Dann wollen wir auch noch schauen, was man da vielleicht noch verbessern oder neu einbauen könnte. Mein Kollege hat da auch schon eine richtig gute Idee – natürlich nur, wenn das mit vertretbarem Aufwand machbar ist.
Machbar ist es sicher. Alles eine Frage der Zeit.
Aber Zeit habe ich jetzt ja.
Ich soll vorerst nur dieses eine Projekt fertig machen und dann schauen wir weiter.
Mit der Programmierung will ich erst anfangen, wenn ich wieder länger da bin,
weil zwei Stunden sind da gar nichts und heute sind sie auch schon wieder fast rum.

Ich freue mich aufs Projekt

Am liebsten würde ich noch da bleiben und mich gleich so richtig rein stürzen.
Ich freue mich auf dieses durchaus anspruchsvolle Projekt und die neuen Herausforderungen,
die es sicher mit sich bringen wird. Die Fehlermeldungen von vorhin sind da ein guter Vorgeschmack … Ich konnte schon Tage und Nächte und ganze Wochenenden nicht mehr
abschalten, wenn ich ein Programmierproblem nicht lösen konnte.
Heute bleibe ich total ruhig und gelassen und sehe das nicht als „schlechten Anfang“,
sondern als Chance, auch in der Arbeit endlich wieder etwas zu machen, was ich gut kann.
Ich kann mich also endlich wieder voll einbringen.

Morgen ist auch noch ein Tag

Meine Halswirbelsäule zwickt schon wieder seit über einer Stunde und das ist immer ein Zeichen für Stress, Anspannung oder schlechte Nerven. Oder eine Folge der zwei Bandscheibenvorfälle von 1999. Nicht aller guten Dinge sind drei …

Also erstelle ich aus meinen Notizen noch in eine Outlook-Aufgabe und fahre meinen PC runter.
Morgen ist auch noch ein Tag !
Und so stürze ich mich gegen 9:30 Uhr wieder ins feuchte Outdoor-Vergnügen, mache auf
dem Heimweg noch einen „lohnenden“ Abstecher zu einem Discounter und gönne daheim
meiner schmerzenden HWS ein wärmendes Kirschkernkissen.
Und ich habe noch genug Energie, um noch ein Stündchen an meinem neuen privaten Projekt weiterzuarbeiten und diese Seite für meinem Blog zu schreiben.

Weiter zum nächsten Arbeitstag ….

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