Suche und Sucht nach Anerkennung

„Ssmombiesmobmie“ ist eines der Jugendworte des Jahres 2016. Oder ist es eines
der Un-Worte? Ich bin ohne Smartphone aufgewachsen und schalte meines
auch nur selten ein. Trotzdem kann ich verstehen, warum nicht nur junge
Leute ständig auf ihr Handy starren anstatt sich auf das zu konzentrieren,
was sie gerade in der realen Welt machen, z. B. arbeiten, Auto fahren, über
die Straße gehen oder mit einem anderen Menschen reden – ganz analog
von Angesicht zu Angesicht.

Warum greifen wir sofort beim ersten Klingeln zu unserem ständigen Begleiter,
egal wie unpassend es gerade ist? Was macht aus einem intelligenten Menschen
einen Handy-Süchtingen oder einen Smartphone-Zombie (Smombie).

Was kann uns dieses kleine Teil geben, was wir im „richtigen Leben“ nicht bekommen ?
Ganz einfach: Etwas, wonach wir uns alle sehnen und was wir viel zu selten bekommen:
Aufmerksamkeit und Anerkennung.

like-buttonWas im richtigen Leben so schwer fällt, geht im Internet per Mouse-Click.
In Nullkommanichts hast du ein paar Hundert Freunde auf Facebook.
Und denen gefällt alles, was du postest. Hauptsache, du klickst fleißig
auf den Like-Button, wenn deine „Freunde“ etwas posten.
Und zwar möglichst schnell, am besten sofort.

Suche nach Anerkennung wird zur Sucht nach Anerkennung

Endlich machst du mal etwas richtig! Was deine Eltern oder Kollegen total idiotisch finden,
findet die Facebook-Community toll. Je doofer das Video, umso mehr Likes. facebook-likes-smileys
Und so wird die Suche nach Anerkennung zur Sucht nach Anerkennung.

Ich habe mich lange gegen Facebook gewehrt, weil mir das enorme Suchtpotential
der sozialen Medien bewusst ist. Am 3. Oktober 2016 habe ich endlich einen Selbstversuch
gestartet und schon fast 40 Freunde gewonnen, von denen ich etwa die Hälfte tatsächlich
kenne. Die anderen kenne ich auch den Medien (Lokalpolitiker, Autoren) oder eben über
Facebook.

like-buttonIch gebe es zu: Auch ich freue mich über jeden Like bei Facebook.
Und ich freue mich auch, wenn jemandem einer meinen Kommentare gefällt.
Oder wenn jemand einen witzigen Kommentar zu einem meiner Posts postet,
den ich dann wieder liken kann…

Ein „Danke“ im richtigen Leben ist wichtiger als alle Likes auf Facebook

Aber wichtiger als alle Likes im Internet ist immer noch ein „Das hast du gut gemacht“
oder ein „Danke“ im richtigen Leben. Das habe ich erst gestern wieder erlebt, als ich
zusammen mit meinem Mann meine 80-jährige Schwiegermutter zu einem Arzttermin
mit zahlreichen Untersuchungen begleitet habe. Das hat natürlich keinem gefallen.
Aber ich konnte einem geliebten Menschen in einer schwierigen Situation helfen.

Jetzt werde ich aber wieder schauen, was auf Facebook los ist. Ein paar Mitglieder der
Gruppe „Angststörung,Depressionen,Zwangsstörung u. Co“ haben gerade wieder etwas
gepostet. Vielleicht ist auch etwas dabei, wozu ich einen Kommentar abgeben und ein
wenig weiter helfen kann. Und vielleicht bekomme ich dann auch heute wieder etwas,
was wir alle so dringend brauchen: Ein wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung.

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