Zwangsläufig neuer Arbeitsplatz

Das Vertrauensverhältnis zu meinem neuen Chef – einem langjährigen Kollegen,
der erst im Vorjahr unser IT-Leiter wurde – ist durch meinen Dokumentationszwang
so stark gestört, dass er sich eine Zusammenarbeit mit mir nicht mehr vorstellen kann.
Also brauche ich zwangsläufig einen neuen Arbeitsplatz. Buchstäblich … (Schreibzwang)

Im Vorfeld werden mir folgende Alternativen angeboten:

Rechnungsstelle, Schreibdienst, Pforte
Im Ernst, Leute ? Bei einer Frau mit Uni-Abschluss ?
Und dann auch noch Pforte ? Wo ich voll auf dem Präsentierteller sitze und auch noch regelmäßig mein alter Chef und meine ehemaligen Kollegen rein kommen und irgendwas brauchen ? Wo ich mich am liebsten ins hinterste Eck verkrümeln würde nach allem, was passiert ist ?

Zum Glück bin ich bei der Gewerkschaft und weise schon beim ersten Telefonat darauf hin,
dass ich einen rechtlichen Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz habe.
Den gibt es aber nicht.

Neuer Arbeitsplatz in Registratur statt in IT ?

Also schlage ich vor, dass ich vielleicht die Nachfolge der Kollegin in der Registratur
(im Keller – weit ab vom Schuss) antreten könnte, die in ein paar Monaten 63 wird
und theoretisch in Rente gehen könnte. Praktisch bleibt sie uns noch 1-2 Jahre erhalten.
Die hätte ich locker daheim absitzen können. Langweilig wäre mir sicher nicht geworden
und finanziell ruiniert hätte uns diese kleine Auszeit auch nicht.

Als Alternative schlage ich gegen Ende meines Personalgesprächs noch ein IT-Projekt vor,
an dem ich einige Jahre zuvor intensiv gearbeitet habe und das auch drei Jahre später noch
nicht umgesetzt werden konnte, weil in der Fachabteilung einfach die nötige Manpower fehlt.
Es wäre mir wirklich eine Herzensangelegenheit, wenn ich dieses Projekt abschließen könnte.
Ansonsten hätte ich zwei Jahre lang ziemlich viel für den Papierkorb gearbeitet…

Witziger Weise sitze ich nun wirklich in einer Registratur. Aber nicht in der „richtigen“
im Keller, sondern in einer Altakten-Registratur im 2. Stock, weil sonst nichts frei ist.
Mein Büro liegt gleich gegenüber von meinem neuen Chef, der 23 Jahre ein Kollege war.
Genau wie unser gemeinsamer Vorgesetzter, der es zum Geschäftsleiter gebracht hat
und nur ein paar Türen weiter sitzt. Als ich hier angefangen habe, waren beide noch
für die EDV in ihrer Abteilung zuständig und haben öfter mal was von mir gebraucht.
Jetzt bin ich selbst in dieser IT-Stelle und freue mich, dass ich dieses Projekt, das ich
schon fünf Jahre zuvor begonnen habe, doch noch zu Ende bringen kann.

In jeder Krise steckt auch eine Chance …

Weiter zum nächsten Arbeitstag …

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